Geschichte
Blickt man in die Vergangenheit der katholischen Landjugend in
Bayern, so trifft man immer wieder auf den Namen Dr. Emmeran Scharl. Im
April 1947 wird dieser von Kardinal Faulhaber beauftragt, die
Jugendarbeit auf dem Land zu erneuern. So entsteht in der
Wiedenmayerstraße in München eine Landesstelle für die
katholische Landjugend. Dort startet Emmeran Scharl sein Engagement. Im
August 1947 entsteht unter seiner Federführung dei ersten
"Werkbriefe für die Landjugend". Die erste Zeitschrift der
katholischen Landjugend in Bayern erscheint 1948 unter dem Titel - Der
Pflug.
Gleichzeitig motiviert Scharl viele Menschen, sich in ihren
Dörfern zu Gruppen zusammenzuschließen, um das Leben vor Ort
kirchlich und politisch zu gestalten. Bald tritt die Frage einer
stärkeren Vernetzung zwischen den Gruppen auf. Daher wird 1949
zunächst eine Landjugendordnung für alle bayereischen
Diozösen beschlossen. Die Geburtsstunde der Katholischen
Landjugendbewegung ist jedoch die BDKJ-Hauptversammlung 1950 in
Altenberg. Hier wird sie als neuer Jugendverband eingerichtet.
Nicht
alle Landjugendgruppen teten dem neuen Verband bei, weswegen es bis
heute zum einen den Jugendverband KLJB und zum anderen nicht
organisierte Jugendgruppen gibt, die sich einfach "Katholische
Landjugend" nennen. Aktuell besteht die KLJB aus etwa 1000 Ortsgruppen
mit rund 25000 Mitgliedern in Bayern. Man kann davon ausgehen, das etwa
60000 Jugentliche von der KLJB und ihren Angeboten erreicht werden.
Vielfältige Tätigkeiten und Aktionen und die große Zahl
der engagierten Mitglieder tragen dazu bei, dass die Katholische
Landjugendbewegung im ländlichen Raum ein hohes Ansehen
genießt.
In den Gemeinden und Pfarreien Bayerns
würden in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen
Jahrhunderts, Landjugendgruppen gegründet. Oft gingen diese aus
den bestehenden Burschenvereinen hervor.
Im Falle der Pfarrei
Alsmoos und damit den Orten Petersdorf, Alsmoos, Gebersdorf und
Weichenberg hatt die Gründung andere Ursachen und Vorgeschichten.
In
erster Linie ist hier das segensreiche Wirken von Pfarrer Alfons
Häfele aus Stotzard zu nennen. Pfarrer Häfele betreute auch
unsere Pfarrei und hatte einen Zugang zur Jugend wie es wohl nur selten
Vorkommt. Die Sangesfreude des Pfarrers war bekannt. Immer wieder traf
er sich mit der Jugend einfach nur um zu singen: religiöse Lieder,
Volkslieder und lustige Meritaten. So war eigentlich schon eine Gruppe
entstanden, ohne dass man sich dessen bewusst war.
Die
zweite Vorraussetzung für die Gründung einer KLJB Ortsgruppe,
lag in der Person des damaligen Petersdorfers Franz Bürger. Franz
Bürger war in Augsburg mit der kirchlichen Jugendarbeit in
Berührung gekommen und hatte sich der Christlichen Arbeiter Jugend
angeschlossen. So gründete er auch in Petersdorf eine CAJ Gruppe.
Zwischen zehn und fünfzehn Buben gehörten der rührigen
Gruppe an. Als aber der Franz, wegen der Ubernahme eines
deutschlandweiten Führungsamtes der CAJ, nach Essen gezogen war,
stand die Gruppe verwaist da. Es hatte sich auch herausgestellt, dass
unsere dörfliche Gruppe innerhalb der doch eher
großstädtisch organisierten Christlichen Arbeiter Jugend
eher eine Besonderheit war. So lag es nahe, sich der jungen Bewegung
der Katholischen Landjugend Bayerns anzuschließen.
Symbole der
KLJB sind Kreuz und Pflug. Das Kreuz als Zeichen kirchlicher
Gebundenheit und der Pflug als Zeichen des Landes, aber auch der
Erneuerung in der Kirche und in der Welt des beginnenden
Wirtschaftswunders. Der Pflug des alles wendet und neues sprießen
lässt. Mädchen und Jungen trafen sich getrennt zu den
Gruppenstunden. Da gab es jede Menge Diskussionsstoff aus allen
Lebensbereichen. Sehen, urteilen, handeln war das Motto der KLJB. Und
ohne zu singen, gab es kein Treffen und keine Zusammenkunft. Dafür
sorgte schon das Vorbild Pfarrer Häfele.
Jahreshöhepunkt
war der sogenannte "Bunte Abend" im Völklsaal in Alsmoos. Darauf
wurde wochen- und monatelang geprobt um unseren Gästen einen Abend
lang mit Theater, Sketchen und Liedern zu unterhalten. Dabei wurde die
KLJB auch immer Tatkräftig von den Lehrern der Alsmooser Schule
(Weigl, Ziller) unterstützt.
Nicht unerwähnt
soll bleiben, dass ein Mitglied unserer Gruppe den Weg als
Entwicklungshelfer nach Afrika fand. Karl Gasche, ein Urgestein der
Landjugend, hat drei Jahre seines Lebens in Nigeria im
Entwicklungsdienst verbracht. Er war vom Leben in diesem Land so
angetan, dass er nach diesen drei Jahren noch für lange Zeit dort
verblieb.
Ein großes Problem war es die passende
Unterkunft für die Gruppe zu finden. Während man sich immer
wieder in der Gaststätte Sobauer in Gebersdorf traf, wollt man
doch zu den Gruppenstunden mehr unter sich sein. Die Mädchen
trafen sich meistens im Hause der Familie Andreas Wurzer, damals
allgemein der Sägerwurzer genannt.
Für die Buben war die
Heimsuche erst beendet, als der Rohbau der Familie Bichler in der
Petersdorfer Siedlung, heute in der Straße am Steig, erstellt
war. Auf dem nachten Boden des Dachgeschoßes war nun der
Treffpunkt. Für die notwendige Bestuhlung wurde der Erlös
eines bunten Abens verwendet. Tische gab es keine und sie waren auch
nicht notwendig, denn zu Essen und Trinken gab es in den Gruppenstunden
nichts.